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© 2019 by Anna Rothärmel

 

wenn die kleinen dinge zu gross werden

Manchmal ist einfach alles zu viel. Die kleinsten Dinge und Probleme kommen einem vor, als wären sie unlösbar, als würde man sie nie schaffen oder als würde man zumindest einen großen Aufwand betreiben müssen. Dabei sind es nicht die Dinge, die es uns schwer machen, sondern irgendetwas anders. Vielleicht die Anzahl der Dinge. Vielleicht hat sich eine gewisse Leere ins Leben eingeschlichen. Was dich vorher erfüllt hat, raubt dir jetzt nur noch Kraft. So geht es mir momentan. 

Nach Namibia war ich voller Tatendrang, voller Energie, etwas zu verändern. Die Pläne in meinem Kopf waren so groß genauso wie die Motivation. Ich habe meinen Job gekündigt, bin jetzt freiberuflich und könnte jetzt für all die Firmen arbeiten, für die ich arbeiten möchte. Von Anfang an habe ich Kunden und konnte sogar meinen Lieblingskunden behalten und für ihn freiberuflich weiterarbeiten. Eigentlich läuft alles ganz wunderbar. Und trotzdem … ich bin ausgelaugt, ich bin traurig, ich bin unheimlich melancholisch. 

Ist es, weil ich so viele Ideen in meinem Kopf habe, die ich einfach nicht alle gleichzeitig realisieren kann? Brauch ich einfach eine Pause? Ist es Burnout? Auf die Idee wäre ich gar nie gekommen, wenn meine Kollegin das gerade nicht erleben würde. Wenn ich die Definition und Symptome online nachschauen, könnte das bei mir schon so sein. Glaub ich aber nicht. Wahrscheinlich mache ich mir selbst einfach nur einen viel zu großen Druck. Ich wollte so viel und jetzt ist es nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber auch, weil ich nichts dafür tue. Für nichts ist die Motivation da. Ich würde mich am liebsten nur in meinem Zimmer oder meiner Wohnung einschließen, Serien schauen und nichts tun. Wo ist die Motivation hin, von der ich erfüllt war? Die Ideen? Alles weg. 

Ich fühl mich wie gefangen in meiner Trübseligkeit, als ob die ganze Welt auf meinen Schultern liegt und ich einfach nicht die Kraft habe, sie wieder loszuwerden. Was mir sonst immer Spaß machte, fühlt sich an wie eine Pflicht. Sport zum Beispiel. Oder etwas für meinen Blog zu schreiben, Dokumentationen ansehen, mich mit Freunden treffen. Und wirkliche Pflichten fühlen sich wie wahre Mammutaufgaben an. Zwei Jobs für meinen Lieblingskunden zum Beispiel. Früher hätte ich mich vor Freude in die Arbeit gestürzt, jetzt schaue ich es an und würde am liebsten nur wegsehen. Keine Motivation, keine Kreativität. Ich hab den Blick auf die schönen Dinge verloren, auf das, was ich machen wollte. Das, wofür ich eine Leidenschaft hatte. Und ich bin sicher, dass sie auch immer noch da ist. Die vielen kleinen Dinge sind nur so groß geworden, dass sie sie erdrücken. 

Eine wahnsinnige Leere hat den Platz dieser Leidenschaft eingenommen. Und ich weiß nicht, wie ich sie füllen soll. Womit? Muss ich etwas ändern? Dabei stecke ich mittendrin in der Veränderung und habe das Steuer selbst in der Hand, in welche Richtung diese Veränderung gehen soll. Zumindest beruflich. Vielleicht brauche ich auch eine private Veränderung... darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Oder brauch ich einfach nur eine Pause? Und dann kommen die Motivation, die Kreativität, die Kraft und die Leidenschaft von ganz allein zurück?

Nur noch drei Tage, dann geht es endlich hier raus. Ich liebe Amsterdam, aber ich brauche eine Pause von meinem Leben. Vielleicht schaff ich es, so weit weg zu sein, dass ich es von der Ferne betrachten kann und realisiere, wie schön es doch ist. Wie gesagt, den Blick auf die schönen Dinge habe ich verloren, vielleicht finde ich ihn in Schottland wieder.